Marktweise Postmortem

2023 habe ich begonnen den Newsletter "Marktweise" zu schreiben. 2025 habe ich wieder aufgehört. Warum?

Ein Newsletter über Prognosemärkte und wie nützlich diese für wichtige Entscheidungen sind.

Prognosemärkte sind immer noch ein faszinierendes Thema, aber über ein nettes Hobby ging es nicht hinaus. Es ist durchaus so, dass es für wichtige Entscheidungen sehr nützlich ist, die Zukunft möglichst präzise vorherzusagen. Aber die Wichtigkeit einer Entscheidung ist nicht die einzige Voraussetzung.

Öffentlichkeit

Prognosemärkte brauchen eine gewisse Anzahl an Teilnehmern. Am einfachsten sind sie also öffentlich, so dass weltweit jeder mitmachen kann. Das Problem ist, dass man persönlich wichtige Entscheidungen meist nicht öffentlich machen will.

Es gab in der ganzen Zeit genau ein Beispiel: Urlaubsplanung mit Prognosemarkt. Das ist sehr wenig.

Das zeigt, Prognosemärkte sind für mich persönlich kaum relevant. Ähnlich wie Geopolitik, die mich zwar interessiert, aber meist nur indirekt betrifft und ändern kann ich auch nichts daran.

Macht

Dann wären da die großen wichtigen Fragen, wie zum Beispiel Megaprojekte. Zum Beispiel der Fehmarnbelttunnel. Ein anderes Beispiel aus der Politik wäre die gefährlichen Auswirkungen des CRA für Open Source. Das ist immer noch der Bereich, in dem ich Hoffnung habe, dass Prognosemärkte nützlich sein können.

Die Herausforderung ist, dass man sich gegen die Macht der Entscheidungsträger stellt. Für die geht es leider oft nicht darum, die beste Entscheidung zu treffen, sondern es geht um Macht und Kontrolle. Ein Zitat beschreibt das sehr gut:

Ihr Crowdsourcing-basierter Echtzeit-Risikoradar ist bemerkenswert, aber wir werden ihn hier nicht einsetzen. Die einzigen Personen, die meinen Vorstand über potentielle Bomben in dieser Bank informieren, sind ich selbst und die Mitarbeiter, die mir direkt unterstellt sind. — Ein Banker zu Robin Hanson (übersetzt aus Overcoming Bias)

Prognosemärkte sind zwangsläufig vielen Leuten zugänglich, aber wichtige Entscheidungen treffen die Mächtigen lieber im kleinen Kreis.

Geld

In meinem Newsletter habe ich noch über die Regulierung als Hindernis geschrieben. Inzwischen ist diese Hürde gefallen. Kalshi und Polymarket sind erfolgreiche Plattformen und dürfen das Geld der US-Amerikaner nehmen.

Die Dynamik von Prognosemärkten scheint mir ähnlich wie Casinos zu sein. Ein paar wenige Profis verdienen Geld. Eine Menge an Amateuren verliert Geld und bekommt Unterhaltung dafür. Das funktioniert aber am besten bei Prognosen, die eigentlich nicht relevant sind: Sportwetten. Überspitzt läuft es also darauf hinaus, spielsüchtigen Menschen ihr Geld abzunehmen. Das ist keine ehrenwerte Beschäftigung, auch wenn es legal wäre.

Ich kenne keine rechtliche Analyse, aber ich vermute, dass Prognosemärkte in Deutschland als illegales Glücksspiel gelten. Wobei das üblicherweise eher ein Problem für die Betreiber als für die Spieler ist. Für mich wäre es also wohl im dunkelgrauen Bereich, bei Kalshi oder Polymarket mitzumachen.

Zu guter Letzt bringt Geld leider oft die schlechten Seiten der Menschen hervor. Es gibt die ersten Geschichten, dass Morddrohungen an Journalisten gehen, weil ihre Berichterstattung einen Prognosemarkt entscheidet.

Fazit

Damals dachte ich, dass Prognosemärkte praktisch überall einsetzbar sind. Inzwischen habe ich gelernt, dass es nur in wenigen Nischen sinnvoll ist. Selbst dort, wo es sinnvoll ist, kann es gefährlich sein, wenn Geld im Spiel ist. Deswegen beschränke ich mich nun auf Metaculus, wo es nicht um Geld geht, es also kein wirklicher "Markt" ist.


Alle Ausgaben sind jetzt hier archiviert. Auch die englische Ausgabe.

Ich habe meine Newsletter über Prognosemärkte gestoppt, denn sie sind nicht so relevant wie ich dachte.