Unternehmer verstehen Wirtschaft nicht

Diejenigen, die am wenigsten von Wirtschaft verstehen, sind die Unternehmer. Es gibt zwei, drei Ausnahmen. Ich habe in meinem langen Berufsleben ungefähr zwei Unternehmer kennengelernt, die Ausnahmen waren, aber die restlichen sind alle Betriebswirte und wissen nichts davon, wie eine Volkswirtschaft funktioniert.

Ein Zitat von Heiner Flassbeck in diesem Video-Interview. Ich halte ihn für einen guten Ökonomen, aber seine Erklärungen sind meist zu knapp.

Also warum haben Unternehmer keine Ahnung von Wirtschaft?

Die BWL Sicht der Welt

Für Betriebswirtschaftler besteht die Welt aus dem Unternehmen und dem Rest der Welt. Ein Unternehmen hat Einnahmen und Kosten. Die Differenz kann als Gewinn entnommen werden.

BWL world view

Wenn ein Unternehmer mehr Gewinn haben möchte, dann gibt es logischerweise genau zwei Möglichkeiten: Kosten senken oder Einnahmen erhöhen.

Der Rest der Welt kann man in der Praxis hier als "unendlich" annehmen. Es gibt immer noch Möglichkeiten wo noch mehr Einnahmen herkommen könnten. Auch die Feedback-Schleife, dass ausgegebenes Geld als Einnahmen wiederkommt, ist für ein einzelnes Unternehmen nicht relevant und kann ignoriert werden. Das ist ein offenes System.

Die VWL Sicht der Welt

Für Volkswirtschaftler besteht die Welt stattdessen aus drei Sektoren: Der Staat, die Privaten, und das Ausland. Vier Sektoren, wenn man die Privaten in Unternehmen und Verbraucher aufteilt.

VWL world view

Der essentielle Unterschied: Dies ist ein geschlossenes System. Es gibt kein fünftes Element. Geld kann nicht raus - es kann nur zwischen den vier Sektoren zirkulieren.

Was ist "Sparen"?

Sparen ist, wenn man weniger ausgibt, als man einnimmt.

In der BWLer Sicht auf ein Unternehmen, das spart, beobachtet man wie sich das gesparte Geld im Unternehmen anhäuft. Früher oder später muss es aber mal raus und dafür gibt es nur zwei Optionen. Als Kosten würden wir es Investitionen nennen. Eigentlich spart das Unternehmen dann kein Geld, sondern gibt es nur für etwas Anderes aus. Alternativ geht es als Gewinn raus und erfreut die Eigentümer, Aktionäre, etc. Sparen hat also immer gute Auswirkungen. Die Frage ist nur, ob man es schafft.

Auch in der VWLer Sicht bedeutet Sparen, dass sich Geld bei jemandem anhäuft. Aber wo kommt es her? In einem geschlossenen System muss es einer der Anderen sein, der mehr Geld ausgibt als er einnimmt. Wenn also jemand spart, dann muss dafür auch jemand Schulden machen. Die Frage nur, wer spart und wer sich verschuldet.

Wer von Beiden hat Recht?

Keiner, weil jedes Modell immer eine Vereinfachung der Realität ist.

Beide, da sie unterschiedliche Dinge modellieren.

Was bedeutet es "Recht zu haben"? Es läuft doch darauf hinaus, dass man etwas vorhersagt und dann kommt es so oder eben anders. Je nachdem kann man im Nachhin dann Recht haben oder nicht. Das "Recht haben" bezieht sich aber auf die Vorhersage und nicht auf das Modell, welches man dafür genutzt hat.


Wichtig an der VWL-Sicht ist eigentlich die Frage die sich stellt, wenn in der Politik über Sparen und Schulden diskutiert wird: Wer gleicht es aus? Wenn der Staat spart, wer macht dann Schulden? Wenn der Staat sich verschuldet, wer spart dann?

Diese Frage sollte öfter gestellt und beantwortet werden.

Geschlossenes oder offenes System ist die Frage.